Haus & Garten als Klimasystem

Grenzfläche Haus & Garten

Die Grenzfläche zwischen Gebäude und Garten ist die klimasensibelste Zone des Grundstücks. Hier treffen Baukörper, Fundament, Drainage, Boden und Bepflanzung aufeinander. Fehlplanungen in diesem Bereich verursachen 80% der Folgeschäden an Gebäuden (DIN 18920, GALK). Vier Handlungsfelder bestimmen die Planung:

Haus & Garten gemeinsam verstehen

Das gemeinsame Klimasystem

Von Dach bis Boden wirkt jede Station auf die nächste. Eine Änderung an einer Stelle verändert das Zusammenspiel des gesamten Systems.

  1. Dach

    Regen aufnehmen, speichern, verzögern.

  2. Fassade

    Vor Hitze, UV-Strahlung und Feuchte schützen.

  3. Hauskante

    Wasser kontrolliert vom Gebäude wegführen.

  4. Terrasse

    Innen- und Außenraum sicher verbinden.

  5. Garten

    Regen aufnehmen, speichern und verdunsten.

  6. Boden

    Wasser versickern und zurückhalten.

  7. Pflanzen

    Schatten erzeugen, verdunsten und Mikroklima verbessern.

Die Hauskante ist keine Trennlinie. Sie ist die Schnittstelle zwischen zwei Klimasystemen.

Natürliche Baustoffe brauchen einen intelligent geplanten Außenraum.

GreenBuild360 nutzt natürliche Baustoffe nicht als dekoratives Element, sondern als Teil eines bauphysikalischen Gesamtsystems.

Holz, Stroh, Lehm und andere natürliche Materialien bringen besondere Eigenschaften mit: Sie können dämmen, speichern, Feuchte puffern und das Raumklima beeinflussen. Gleichzeitig bedeutet das, dass die Gebäudehülle sorgfältig vor dauerhaft ungünstiger Feuchtebelastung geschützt werden muss.

Der Außenraum ist deshalb kein nachträglich angefügter Garten. Er ist Teil des Gesamtkonzepts.

Im Haus

  • Dämmen
  • Speichern
  • Lüften
  • Temperatur stabilisieren
  • Technik reduzieren
Hauskante = Verbindung

Im Garten

  • Speichern
  • Versickern
  • Beschatten
  • Verdunsten
  • Biodiversität fördern

Das Prinzip des klimastabilen Hauses endet nicht an der Wand.

Im Gebäude

Dämmung + Speichermasse + Low-Tech

Im Garten

Wasserspeicherung + Verschattung + Verdunstung + Versickerung

Im Gebäude wird das Klima durch Dämmung, Speichermasse, Lüftung und passive Prinzipien stabilisiert. Im Außenraum übernehmen Boden, Pflanzen, Wasser und Verschattung vergleichbare klimatische Funktionen.

Beides zusammen erzeugt ein robusteres Mikroklima für das gesamte Grundstück.

Vier Stellen entscheiden darüber, ob Haus und Garten wirklich zusammenspielen.

Wählen Sie eine Planungszone, um Problem und Maßnahmen zu sehen.

Problem

Starkregen kann Bodenpartikel und Wasser an den unteren Bereich der Fassade spritzen. Bei empfindlichen natürlichen Baustoffen wie Holz und Lehm muss die Sockelzone besonders geschützt werden.

Maßnahmen

  • Mineralischer oder grobkörniger Kiesstreifen min. 50 cm Breite um das Gebäude
  • Geländegefälle min. 2% vom Gebäude weg
  • Keine dauerhaft feuchte Vegetation im Sockelbereich
  • Sockelhöhe min. 15 cm über Gelände bei Holzfassaden
  • Konstruktiven Feuchteschutz nach DIN 18195 (Bauteile in Berührung mit Bodenwasser)

Quelle: DIN 18195, DIN 18920

Sockelzone planen

Ein konkretes Beispiel

Ein schematischer Querschnitt durch ein GreenBuild360-Haus mit Garten. Tippen Sie auf eine Nummer, um zu sehen, was dort mit Wasser, Sonne, Wärme oder Feuchtigkeit passiert.

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Hotspot 1 · Begrüntes Dach

Niederschlag wird hier teilweise zurückgehalten und verzögert an die Entwässerung abgegeben. Über Verdunstung und Begrünung wird das Dach zusätzlich gekühlt. Die Rückhaltewirkung hängt vom Aufbau und der Schichtdicke ab.

Die beste Hauskante wird geplant, bevor der Garten gebaut wird.

Entscheidungen über Gelände, Höhen, Entwässerung, Terrasse, Pflanzflächen und Versickerung sollten möglichst früh mit der Gebäudeplanung abgestimmt werden.

So entstehen keine nachträglichen Reparaturlösungen, sondern ein Grundstück, bei dem Gebäude und Außenraum von Anfang an zusammenarbeiten.

  1. 1

    Haus positionieren

  2. 2

    Gelände & Wasserwege verstehen

  3. 3

    Hauskante planen

  4. 4

    Garten als Schwamm planen

  5. 5

    Pflanzen & Verschattung ergänzen

  6. 6

    Starkregenweg & Notüberlauf sichern

Pflanzen

Welche Pflanzen passen an Haus, Sockel und Fassade?

Pflanzen-DB öffnen

Wasser

Wie viel Regen fällt an? Wohin kann das Wasser?

Wasser-Planer öffnen

Fachplanung

Wie wird die Hauskante technisch richtig geplant?

Fachliche Planung öffnen

Sie planen ein GreenBuild360-Haus? Denken Sie den Garten gleich mit.

Ein natürliches Haus entfaltet seine klimatischen Vorteile nicht isoliert.

Gebäude, Gelände, Wasser, Vegetation und Verschattung beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb sollte der Außenraum nicht erst nach dem Haus geplant werden.

Haus und Garten gehören in ein gemeinsames Klimakonzept.

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Vier Handlungsfelder der Grenzflächenplanung

Wurzeldruck & Fundament

Bäume mit starken Wurzeln (Pappel, Weide, Robinie) nicht näher als 5 m an Streifenfundamente pflanzen. Wurzelsperren nach DIN 18920 schützen Leichtbau-Plattenfundamente. Mindestabstand: 3 m bei mittleren Wurzeln, 5 m bei starken Wurzeln.

Quelle: DIN 18920, FLL

Fassadenbegrünung

Kletterpflanzen an Fassaden kühlen die Wand um 2–5°C und reduzieren die Sommeraufheizung. Selbstklimmer wie Wilder Wein haften ohne Gerüst. Mindestabstand Boden: 30 cm zur Wand, Geleitschnitt erforderlich.

Quelle: FLL, LWG Veitshöchheim

Drainage & Versickerung

Dach- und Flächenwasser vor Ort versickern (Schwammgarten-Prinzip). Versickerungsmulden min. 3 m vom Fundament entfernt. Sickerfläche: 10–15% der angeschlossenen Dachfläche bei sandigem Boden.

Quelle: DWA-A 117, DIN 1986-100

Übergangsbepflanzung

Übergangszonen mit trockenresistenten, flachwurzelnden Gehölzen: Hartriegel, Kolkwitzie, Spierstrauch. Keine Starkwurzler im Übergangsbereich. Wurzelballen min. 50 cm vom Fundament.

Quelle: GALK, BdB

Baumschutz auf Baustellen (DIN 18920)

Wählen Sie eine Karte, um Problem und Maßnahmen zu sehen.

Problem

Der Schutzbereich eines Baumes wird oft zu klein dimensioniert. Nach DIN 18920 gilt die Kronentraufläche zuzüglich 1,5m nach allen Seiten als Schutzbereich. Befahren, Materiallagerung oder Erdarbeiten in diesem Bereich schädigen die Feinwurzeln — der Baum stirbt oft erst Jahre später.

Maßnahmen

  • Schutzbereich = Kronentraufe + 1,5m Radius um den Stamm
  • Schutzzaun min. 2,0m Höhe, geschlossen rund um den Schutzbereich
  • Schild „Baumschutzzone — Befahren verboten" am Zaun
  • Keine Materiallagerung oder Erdarbeiten im Schutzbereich
  • Bei beengten Verhältnissen: Wurzelbrücken/Baumschutzroste einsetzen

Quelle: DIN 18920, R-SBB (FLL 2023)

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